Zum Inhalt springen
14 Min. Lesezeit Markt

Bomben auf Teheran: Was bedeuten Kriege für dein Depot?

Während du diese Zeilen liest, fliegen US-Kampfjets und israelische Raketen Angriffe auf den Iran. Bevor du irgendetwas tust, schau dir die Daten an.

110 Jahre Boersengeschichte zeigen ein ueberraschendes Muster

Freedom Capital Club | Sonderanalyse | 28. Februar 2026


Während du diese Zeilen liest, fliegen US-Kampfjets und israelische Raketen Angriffe auf den Iran. Operation "Shield of Judah" und "Epic Fury" — Codenames, die nach Geschichtsbuechern klingen. Explosionen in Teheran, Raketen auf Israel, Bahrain unter Beschuss.

Die Schlagzeilen sind beaengstigend. Die Versuchung, alles zu verkaufen, ist real.

Aber bevor du irgendetwas tust, schau dir die Daten an. Denn die Geschichte erzählt eine andere Story als die Angst.

Was gerade passiert

Am 28. Februar 2026 haben die USA und Israel gemeinsame Militaerschläge gegen den Iran gestartet. Ziele sind Nuklearanlagen, Militärinfrastruktur und Regierungsgebaeude in Teheran, Qom, Isfahan und weiteren Staedten. Der Iran hat mit Raketenangriffen auf Israel und eine US-Basis in Bahrain reagiert.

Es ist bereits der zweite direkte US-Angriff auf iranisches Territorium innerhalb von neun Monaten. Im Juni 2025 hatte Israel iranische Nuklearanlagen angegriffen, die USA folgten wenige Tage später.

Die entscheidende Frage fuer uns als Investoren: Wie reagieren die Märkte? Und was können wir aus ueber 100 Jahren Börsengeschichte lernen?


Die grosse Tabelle: Jeder Konflikt seit 1941 — und was danach passierte

Die folgende Tabelle zeigt die S&P 500-Rendite nach allen bedeutenden Kriegen und geopolitischen Konflikten mit US- oder europäischer Beteiligung. Die Daten stammen aus dem Ken French Data Library (via First Trust), LPL Research, J.P. Morgan Private Bank und dem Citigroup Global Wealth Report.

Ereignis Datum 1 Tag 1 Monat 3 Monate 6 Monate 12 Monate
Pearl Harbor / US-Eintritt WW2 07.12.1941 -4,15% -5,0% -10,0% -7,0% +3,70%
Nordkorea ueberfaellt Suedkorea 25.06.1950 -5,27% -9,0% -2,0% +6,0% +20,03%
Suezkrise 30.10.1956 -1,1% -3,5% -1,4% +2,7% -2,3%
Kubakrise 16.10.1962 -0,31% +7,61% +17,16% +22,0% +30,91%
JFK-Ermordung 22.11.1963 -2,8% +5,1% +9,3% +12,1% +21,2%
Sechstagekrieg 05.06.1967 -1,64% +2,5% +6,3% +8,2% +19,36%
Tet-Offensive (Vietnam) 30.01.1968 -0,54% +0,5% +5,8% +9,1% +15,43%
Jom-Kippur-Krieg / Oelembargo 06.10.1973 -1,5% -0,6% -10,7% -15,0% -37,0%
Sowjet. Invasion Afghanistan 27.12.1979 -0,3% +5,5% -4,2% +5,0% +25,8%
Irak ueberfaellt Kuwait 02.08.1990 -1,19% -8,2% -13,5% -4,0% +13,66%
Golfkrieg Beginn (Desert Storm) 17.01.1991 +3,7% +11,8% +15,2% +14,5% +29,4%
WTC-Bombenanschlag 26.02.1993 -0,3% +2,1% +3,0% +3,5% +5,0%
9/11 Terroranschlaege 11.09.2001 -5,01% -0,5% +3,5% +4,9% -13,75%
Irak-Invasion 20.03.2003 +2,3% +4,8% +14,9% +18,4% +26,97%
Bombenanschlag London 07.07.2005 -0,9% +3,6% +2,8% +6,8% +9,3%
Russland ueberfaellt Georgien 08.08.2008 -0,2% -6,3% -28,2% -37,6% -22,1%
Boston Marathon Bombenanschlag 15.04.2013 -2,48% +2,8% +7,3% +10,5% +19,49%
Krim-Annexion (Russland) 07.03.2014 -1,0% +3,2% +4,1% +7,9% +12,6%
IS-Offensive im Irak Jun 2014 -0,3% +1,5% +2,3% +4,0% +5,3%
Brexit-Referendum 23.06.2016 -3,6% +3,2% +5,9% +8,2% +15,4%
US-Drohnenangriff Soleimani 03.01.2020 -0,7% -0,2% -20,0%* -4,0%* +16,3%
Russland ueberfaellt Ukraine 24.02.2022 +1,89% -1,5% -4,0% -11,0% -5,13%
Israel-Hamas-Krieg 07.10.2023 +0,60% +4,8% +11,7% +21,5% +34,88%
Israel/USA Strikes auf Iran 13.06.2025 -1,1% +2,0% +5,0% n.v. n.v.
USA/Israel Angriff auf Iran 28.02.2026 Wochenende
Durchschnitt -1,1% +0,5% +2,3% +5,5% +7,8%
Median -0,4% +2,8% +3,5% +6,7% +11,4%

Quellen: First Trust / Ken French Data Library (CRSP), LPL Research, J.P. Morgan Private Bank, Citigroup Global Wealth Report. S&P 500 Price Return (vor 1957: S&P 90 Index).

* Soleimani 2020: 3- und 6-Monats-Rendite durch COVID-Crash überlagert, nicht durch den Konflikt.

Freedom Capital Club — Sonderanalyse

S&P 500 durch 110 Jahre Krieg & Krisen

Logarithmischer Kursverlauf seit 1928 mit farblich markierten Konfliktperioden. Der Markt hat jeden Krieg überlebt.
Logarithmische Skala • S&P 500 Index (vor 1957: S&P 90) • Monatliche Schlusskurse • Quellen: S&P CapIQ, Bloomberg, First Trust
73%
der Konflikte mit positivem S&P 500 nach 12 Monaten
+7,8%
durchschnittliche 12-Monats-Rendite nach geopolitischen Schocks
18–47
Handelstage bis zur durchschnittlichen Erholung
11,0%
S&P 500 Rendite p.a. seit 1970 — trotz allem


Was die Daten sagen: Fünf Erkenntnisse

1. Der erste Tag tut weh — aber nicht lange

Im Durchschnitt fiel der S&P 500 am Tag eines geopolitischen Schocks um -1,1%. Die schlimmsten Tage waren Pearl Harbor (-4,15%), der Koreakrieg-Beginn (-5,27%) und 9/11 (-5,01%) — alles Überraschungsangriffe.

Aber: Bereits nach einem Monat lag der Median bei +2,8%. Die Panik ist real, aber sie ist fast immer kurzlebig.

2. Nach 12 Monaten steht der Markt in 80% der Fälle im Plus

Von 23 ausgewerteten Konflikten war der S&P 500 nach einem Jahr in 18 Faellen positiv. Die durchschnittliche 12-Monats-Rendite: +7,8%. Der Median: +11,4%.

Die Aktienmärkte haben in 73% aller bewaffneten Konflikte seit dem Zweiten Weltkrieg ein Jahr nach Beginn positive Renditen geliefert.

3. Nicht der Krieg toetet den Markt — sondern die Wirtschaft

Die drei schlimmsten Eintraege in unserer Tabelle sind:

Die Marktforschung ist hier eindeutig: Der entscheidende Faktor für die Marktentwicklung ist nicht die Schwere des Ereignisses, sondern ob das Ereignis mit einer Rezession zusammenfiel oder eine auslöste.

4. Angekündigte Konflikte sind weniger schlimm als Überraschungen

Pearl Harbor (-4,15% am 1. Tag, 307 Tage bis zur Erholung) und der Koreakrieg-Beginn (-5,27% am 1. Tag) waren Überraschungsangriffe — die MÄrkte hatten keine Zeit, das Risiko einzupreisen.

Die Irak-Invasion 2003? Der Markt war im Vorfeld bereits 14,7% gefallen. Am Tag des Einmarschs stieg er +2,3%. Das Muster: Märkte fallen VOR erwarteten Kriegen und steigen NACH Beginn.

Die heutigen Iran-Strikes waren seit Wochen erwartet. Trump hatte eine "massive Armada" angekündigt. Die Märkte hatten Zeit, sich vorzubereiten.

5. Der Ölpreis ist der Transmissionsriemen — aber er funktioniert anders als frueher

Der einzige Konflikt, der den S&P 500 in einem Jahr um -37% vernichtete, war der Jom-Kippur-Krieg 1973 — weil das Ölembargo den Ölpreis vervierfachte und eine globale Stagflation auslöste.

Aber die Welt von 2026 ist eine fundamental andere als 1973:

Die Ölmaerkte haben geopolitisches Risiko im Nahen Osten im Juni 2025 weitgehend ignoriert. Der Oel-Analyst von PIIE brachte es auf den Punkt: Drei strukturelle Verschiebungen begrenzen die Preisreaktion — sicherere westliche Produktion, China als Käufer letzter Instanz, und Produzenten, die gelernt haben, dass Öl ein zweischneidiges Schwert ist.


Das Risiko-Szenario: Wann wird es wirklich gefaehrlich?

Es gibt genau ein Szenario, bei dem die Geschichte weniger beruhigend ist: eine Blockade der Straße von Hormuz.

Durch diese Meerenge fliessen taeglich rund 20 Millionen Barrel Öl — ein Drittel des weltweiten Seeoel-Transports. Die Dallas Fed hat berechnet, dass eine Schliessung den WTI-Ölpreis auf 100 Dollar pro Barrel treiben und die US-Headline-Inflation um 1,3 Prozentpunkte anheben wuerde.

Das wäre das einzige Szenario, das historisch vergleichbar mit dem Jom-Kippur-Krieg 1973 wäre.

Bisher gibt es keine Anzeichen, dass der Iran die Straße von Hormuz blockiert. Aber es ist das Risiko, das wir beobachten müssen.


Sektoren: Wer gewinnt, wer verliert

Die Reaktion im Juni 2025 nach den ersten Iran-Strikes gibt uns eine Blaupause:

Gewinner:

Verlierer:

Eine NBER-Studie ueber den Zeitraum 1937 bis 2017 zeigt, dass höhere Militärausgaben die Aktienvolatilität bei Rüstungsunternehmen und verwandten Industrien sogar senken — weil staatliche Auftraege stabile Einnahmequellen schaffen.


Die große Perspektive: 10.000 Dollar durch alle Kriege hindurch

Vielleicht das eindrucksvollste Bild: Hättest du 1970 genau 10.000 Dollar in den S&P 500 investiert und sie durch Vietnamkrieg, Oelembargo, Golfkrieg, 9/11, Irakkrieg, Finanzkrise, Ukraine-Krieg und alle anderen Konflikte hindurch einfach liegen lassen — waeren daraus bis Ende 2025 ueber 3,4 Millionen Dollar geworden.

Daten von First Trust zeigen: Die durchschnittliche jährliche Gesamtrendite des S&P 500 lag ueber diesen Zeitraum bei 11,04% pro Jahr — trotz allem.

Kriege sind menschliche Tragödien. Aber für langfristige Investoren war Panikverkauf bei geopolitischen Schocks historisch fast immer der groessere Fehler als investiert zu bleiben.


Was das fuer dein Portfolio bedeutet

Wir wissen nicht, wie sich die Situation im Iran entwickelt. Niemand weiss das. Aber wir wissen folgendes:

Die durchschnittliche Erholung nach einem geopolitischen Schock dauert 18 bis 47 Handelstage. Bei erwarteten Konflikten wie diesem oft noch weniger.

Die fundamentale Qualitaet deiner Unternehmen aendert sich nicht durch Bomben auf Teheran. Ein Unternehmen mit starkem Moat, solider Bilanz und attraktiver Bewertung ist am Montag genauso viel wert wie am Freitag.

Das einzige, was sich ändert, ist die kurzfristige Stimmung. Und das ist bereits im Vorfeld passiert bei diesem Konflikt. Und Stimmung ist ein schlechter Anlageberater.

Unsere Haltung:

  1. Keine Panikverkäufe. Die Geschichte zeigt eindeutig, dass dies fast immer ein Fehler ist.
  2. Beobachten, nicht reagieren. Wir beobachten die Oelpreisentwicklung und die Strasse von Hormuz als entscheidende Indikatoren.
  3. Qualität hält. Unternehmen mit hohen Kapitalrenditen, starken Bilanzen und dauerhaften Wettbewerbsvorteilen haben jede Krise der letzten 100 Jahre überlebt.
  4. Potenzielle Chancen identifizieren. Wenn der Markt am Montag überreagiert, könnten sich Einstiegsgelegenheiten bei Qualitätsaktien ergeben.

Wir melden uns Anfang nächster Woche mit einem konkreten Update, sobald die Märkte reagiert haben.


Bleibt ruhig. Bleibt investiert. Bleibt rational.


Disclaimer

Keine Anlageberatung. Alle Inhalte spiegeln die persoenliche Meinung des Autors wider und stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Jede Investitionsentscheidung erfolgt auf eigenes Risiko. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlaesslicher Indikator fuer kuenftige Ergebnisse. Der Autor ist in den genannten Wertpapieren teilweise selbst investiert.

Datenquellen: First Trust / Ken French Data Library (CRSP-Datenbank), LPL Research, J.P. Morgan Private Bank, Citigroup Global Wealth Report 2024, Invesco Education Series, Hartford Funds / Ned Davis Research, CFA Institute, Dallas Federal Reserve, CSIS, PIIE. Alle Daten oeffentlich zugaenglich.

Transparenzhinweis und Haftungsausschluss: Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung von Freedom Capital Club oder den für Freedom Capital Club tätigen Autoren statt, dieser Beitrag ist eine journalistische Publikation und dient ausschließlich Informationszwecken. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf irgendeines Wertpapieres dar. Der Kauf von Aktien ist mit hohen Risiken bis hin zum Totalverlust behaftet. Deine Investitionsentscheidungen darfst du nur nach eigener Recherche und nicht basierend auf den Informationsangeboten von Freedom Capital Club treffen. Freedom Capital Club und die für Freedom Capital Club tätigen Autoren übernehmen keine Verantwortung für jegliche Konsequenzen und Verluste, die durch Verwendung unserer Informationen entstehen.