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Jetzt Aktien kaufen? Die unbequeme Wahrheit über Crashs und Chancen

Wenn alle verkaufen, schlagen wir zu. Klingt kontraintuitiv? Ist es auch. Aber die Daten sind eindeutig. Wir bekommen diese Frage regelmäßig: „Warum kauft ihr in der Krise Aktien? Ist das nicht verrückt?"

Jetzt Aktien kaufen? Die unbequeme Wahrheit über Crashs und Chancen

Kurze Antwort: Nein. Es ist das Gegenteil von verrückt. Es ist der Kern unserer Strategie. Und in diesem Artikel erklären wir, warum.


Die unbequeme Wahrheit über Krisen und Rendite

Die meisten Anleger machen in Krisenzeiten denselben Fehler: Sie verkaufen. Getrieben von Angst, Schlagzeilen und dem Instinkt, sich in Sicherheit zu bringen. Das ist menschlich. Aber es ist auch der teuerste Fehler, den man an der Börse machen kann.

Denn die Daten aus über 150 Jahren Börsengeschichte zeigen ein klares Muster: Jeder Crash, jede Krise, jeder Bärenmarkt wurde vom Markt überwunden – ausnahmslos. Ob die Große Depression der 1930er, die Ölkrise der 1970er, der Dot-Com-Crash 2000, die Finanzkrise 2008, Corona 2020 oder die Inflation-und-Zins-Korrektur 2022 – der Markt hat sich jedes einzelne Mal erholt und neue Höchststände erreicht.

Das ist kein Optimismus. Das ist Mathematik.


Was die Zahlen sagen

Ein paar Fakten, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte:

Seit 1928 gab es 27 Bärenmärkte im S&P 500 – definiert als ein Rückgang von 20% oder mehr vom Hoch. Der durchschnittliche Verlust lag bei rund 35%. Klingt brutal. Aber: Es gab im selben Zeitraum 28 Bullenmärkte, in denen der Markt im Schnitt rund 112% zulegte. Die Aufwärtsbewegungen dauerten im Schnitt fast drei Mal so lange wie die Abwärtsbewegungen.

Ein Dollar, investiert in den S&P 500 Anfang 1926, wäre heute rund 20.000 Dollar wert – nach Inflation, nach zwei Weltkriegen, nach Dutzenden Krisen. Wer investiert blieb, wurde belohnt. Wer in Panik verkaufte, hat die anschließende Erholung verpasst.

Nach jedem der zehn schlimmsten Einzeltage des S&P 500 in den letzten 45 Jahren war der Index ein Jahr später in fast allen Fällen zweistellig im Plus. Die besten Börsentage folgen oft direkt auf die schlechtesten – und wer nicht investiert ist, verpasst sie.

Rund 42% der stärksten Börsentage der letzten 20 Jahre fielen in Bärenmärkte. Weitere 36% ereigneten sich in den ersten zwei Monaten eines neuen Bullenmarktes – also bevor überhaupt klar war, dass die Erholung begonnen hatte. Wer wartet, bis sich der Markt „beruhigt" hat, verpasst den Großteil der Rendite.


Warum Krisen Chancen sind – nicht Risiken

Hier ist der Denkfehler, den die meisten machen: Sie verwechseln Volatilität mit Risiko.

Volatilität bedeutet: Die Kurse schwanken. Das ist normal, das gehört dazu, und das ist der Preis, den man für langfristig hohe Renditen zahlt.

Echtes Risiko ist etwas anderes. Echtes Risiko ist: ein schlechtes Unternehmen kaufen, viel zu teuer kaufen, oder aus Panik im Tief verkaufen. Wer gute Unternehmen zu fairen Preisen kauft und die Geduld hat zu halten, hat historisch über Zeiträume von zehn Jahren und mehr fast nie Geld verloren.

Und genau hier wird es für uns als Value-Investoren interessant: In Krisenzeiten fallen nicht nur schlechte Aktien. Es fallen auch die guten. Hochprofitable Unternehmen mit starken Bilanzen, breiten Wettbewerbsvorteilen und wachsenden Cashflows werden im Crash genauso abverkauft wie spekulative Titel – oft sogar stärker, weil institutionelle Investoren in Panik liquidieren.

Das bedeutet: Wir können Qualitätsunternehmen zu Preisen kaufen, die es in normalen Zeiten einfach nicht gibt.


Die Logik hinter unseren Käufen

Wenn wir in Krisenzeiten kaufen, ist das keine Spekulation. Es ist die konsequente Anwendung unserer Analysemethodik. Wir kaufen nicht „weil die Kurse gefallen sind". Wir kaufen, weil:

1. Unsere Qualitätskriterien erfüllt sind. Jedes Unternehmen in unserem Portfolio hat einen systematischen Analyseprozess durchlaufen, der Geschäftsqualität, Bilanzstärke, Bewertung und Wachstum bewertet. Ein Kursrückgang ändert nichts an der Qualität eines Unternehmens – er ändert nur den Preis, den wir dafür bezahlen.

2. Die Bewertungen attraktiver werden. Was vor der Krise vielleicht fair bewertet war, ist nach einem Rückgang von 20–30% plötzlich deutlich unter dem historischen Bewertungsniveau. Für uns als fundamentalorientierte Investoren ist das der ideale Einstiegszeitpunkt.

3. Die Sicherheitsmarge steigt. Benjamin Graham, der Vater des Value Investing, sprach von der „Margin of Safety" – dem Puffer zwischen dem Kaufpreis und dem inneren Wert eines Unternehmens. Je tiefer die Kurse fallen, desto größer wird dieser Puffer. Das macht jede einzelne Position im Portfolio sicherer, nicht riskanter.

4. Die langfristigen Renditen steigen. Das ist einfache Mathematik: Wer eine Aktie für 70 € kauft statt für 100 €, bekommt dieselben Gewinne, dieselben Cashflows, dieselben Dividenden – aber zu einem 30% günstigeren Preis. Die erwartete Rendite steigt automatisch.


Was Warren Buffett wirklich meinte

Das berühmteste Investmentzitat aller Zeiten stammt aus Buffetts Aktionärsbrief von 1986: „Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere ängstlich sind."

Die meisten kennen den Spruch. Die wenigsten handeln danach. Denn in dem Moment, in dem die Kurse fallen, die Nachrichten düster sind und jeder Experte im Fernsehen Weltuntergang predigt, fühlt es sich schlicht falsch an, auf „Kaufen" zu drücken.

Aber genau das ist der Punkt. Wenn es sich richtig anfühlen würde, wäre die Gelegenheit bereits vorbei. Denn wenn alle optimistisch sind, sind die Kurse schon oben. Die besten Einstiegskurse gibt es dann, wenn die Stimmung am schlechtesten ist – weil dann alle schon verkauft haben, die verkaufen wollten.

Buffett hat diese Philosophie nicht nur gepredigt. Er hat sie gelebt: Im Oktober 2008, mitten in der schlimmsten Finanzkrise seit der Großen Depression, investierte er Milliarden in Unternehmen wie Goldman Sachs und General Electric. Die Medien hielten ihn für verrückt. Fünf Jahre später hatte sich sein Investment vervielfacht.


Was das für unser Portfolio bedeutet

Wenn du siehst, dass wir in Krisenzeiten verstärkt kaufen, dann ist das keine Panik und kein Aktionismus. Es ist das Gegenteil: disziplinierte Anwendung unserer Strategie.

Jeder Kauf basiert auf derselben Methodik, die wir auch in ruhigen Zeiten anwenden. Der Unterschied ist nur: In Krisenzeiten gibt der Markt uns mehr Gelegenheiten, Qualität zu günstigen Preisen zu finden.

Wir dokumentieren dabei alles transparent – jeden Kauf, jeden Verkauf, jede Position, inklusive aller Verluste. Wir versprechen keine Gewinne und sind keine Hellseher. Aber wir wissen: Wer systematisch in hervorragende Unternehmen investiert, wenn andere panisch verkaufen, hat historisch die besten Ergebnisse erzielt.


Die wichtigsten Prinzipien auf einen Blick

Krisen sind normal. Im Schnitt gibt es etwa alle 3,5 Jahre einen Bärenmarkt. Wer langfristig investiert, wird mehrere davon erleben – und durchstehen müssen.

Timing ist unmöglich. Niemand kann verlässlich den Tiefpunkt eines Crashs vorhersagen. Deshalb kaufen wir schrittweise, nicht alles auf einmal.

Qualität schlägt alles. Nicht jede gefallene Aktie ist ein Schnäppchen. Deshalb analysieren wir jedes Unternehmen systematisch – und kaufen nur, was unsere Mindeststandards erfüllt.

Geduld wird belohnt. Die Erholung kommt – sie kam immer. Aber sie kommt nach dem eigenen Zeitplan, nicht nach unserem.

Emotionen sind der Feind. Der Instinkt sagt: Verkaufe, rette was du kannst. Die Daten sagen: Halte durch – oder kaufe nach. Wir folgen den Daten.


Fazit

Wir kaufen in Krisenzeiten nicht trotz der Unsicherheit. Wir kaufen wegen der Unsicherheit – denn sie schafft die Bewertungen, die langfristig die besten Renditen ermöglichen.

Ob der Markt morgen weiter fällt oder sich erholt, wissen wir nicht. Was wir wissen: Jedes Unternehmen in unserem Portfolio wurde auf Herz und Nieren geprüft. Die Geschäftsmodelle sind intakt, die Bilanzen sind solide, und die Preise, zu denen wir kaufen, geben uns eine erhebliche Sicherheitsmarge.

Das ist kein Bauchgefühl. Das ist keine Spekulation. Das ist das, was professionelle Value-Investoren seit Jahrzehnten tun – von Graham über Buffett bis Munger.

Und genau so werden wir es weiterhin halten.


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